Yves bei Jonker

Praktikum bei der Jonker Sailplane Factory

Wie bei allen Segelflugpiloten gibt es auch bei mir Störfaktoren, welche mich vom Fliegen abhalten. Einer davon ist mein Studium und ein anderer der Winter in der Schweiz. Um dem zu entkommen habe ich beschlossen mein obligatorisches Praktikum nicht in der Schweiz, sondern in Südafrika zu machen.

In Südafrika gibt es das ganze Jahr fliegbares Wetter und eine Firma, welche mehr als geeignet ist um mich für drei Monate zu beherbergen. Die Organisation war problemlos und drei Monate nach meinem ersten e-mail an die Jonker Sailplane Factory landete mein A340 in Johannesburg.

 

Die Jonker Sailplane Factory ist für mich ein kleines Wunder. Die Jonker Brüder Attie und Uys haben es geschafft mit ihrem ersten Wurf, der JS1 REVELATION, die europäischen Segelflugzeughersteller schwer in Bedrängnis zu bringen. Der Erfolg war nicht ganz gratis, denn die Entwicklung der JS1 hat über zehn Jahre gedauert.

Meine Aufgabe in der Firma ist es, neue Komponenten für die JS zu entwickeln. Also das was ein Maschienenbauingenieur halt so tut. Neben der Arbeit am Computer bekomme ich einen tiefen Einblick in die Entstehung der Rennmaschienen.

Die Firma macht praktisch alles selbst. Das geht von den Metallteilen und Kompositstrukturen bis hin zu den Transponderantennen. Im Moment sind rund 70 Arbeiter in der Firma beschäftigt und alle zwei Wochen hebt ein neues Flugzeug zum Erstflug ab.

 

Neben der Befriedigung meiner Neugierde über den Bau von Segelflugzeugen will ich natürlich selber fliegen. Der Weg zu meinem ersten Soloflug in Südafrika war steiniger als ich mir das vorgestellt hatte.

Wegen zwei tödlichen Unfällen von ausländischen Segelflugpiloten in Südafrika haben die Behörden die Validierungen von ausländischen Fluglizenzen gestoppt. Somit musste ich einen vierwöchigen Papierkrieg führen, welcher eine praktische Prüfung durch einen Experten, eine Theorieprüfung sowie ein neues südafrikanisches Medical beinhaltete. Das einzig positive war, dass es während der ganzen Zeit fast nur geregnet hat.

Nachdem ich endlich meine Südafrikanische Lizenz erhalten hatte konnte der Spass beginnen. Während meines Praktikums darf ich das Flugzeug der Firma namens „JET“ fliegen. JET ist nicht nur das Wettbewerbskennzeichen sondern auch Programm, denn diese JS1 ist mit einem Düsentriebwerk als Flautenschieber ausgerüstet. Dieses Spielzeug muss ich natürlich ausgiebig testen. Am meisten beeindruckt mich der Geschwindigkeitsbereich des Triebwerks. Am besten funktioniert es bei 160 km/h.

Geflogen wird in Potchefstroom hauptsächlich am Samstag, denn am Sonntag gehen alle in die Kirche. Dank dem Arbeitsplatz direkt auf dem Flugplatz kann ich jedoch an den schönen Tagen unter der Woche fliegen.

 

 

Fliegen in Südafrika

Die Landschaft erinnerte mich im ersten Moment an Polen. Alles flach und nur wenig Referenzen zum Navigieren. Die Höhe ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Potchefstroom liegt auf knapp 1400 m.ü.M. Somit wird die Luft schnell dünn, wenn man schon nur 1600 Meter über dem Boden fliegt.

Thermisch ist es eines der besten Gebiete die es gibt. Während den wirklich guten Tagen im Dezember können ca. 1300 km geflogen werden. Die Distanz wird hier im Gegensatz zu Europa nicht mit einer langen Flugzeit, sondern mit Geschwindigkeit geflogen. Die Geschwindigkeit der guten Piloten liegt an durchschnittlichen Tagen bei 130 km/h und an guten Tagen bei über 160 km/h.

Mit der JS1 REVELATION sind solche Geschwindigkeiten möglich, auch wenn ich mich erst daran gewöhnen musste. Ich brauchte mehrere Flüge, bis meine Geschwindigkeit endlich oberhalb bon 100 km/h lag. Die Steigwerte sind mit 2-4 m/s für meine Verhältnisse sehr gut, jedoch ist das Zeitfenster in dem es Thermik gibt mit 5 Stunden eher klein.

Das Teamfliegen gehört hier zur Tagesordnung und wird konsequent durchgeführt. Im Moment bereiten sich Attie und Uys Jonker sowie Oscar Goudriaan auf die bevorstehende WM in Leszno vor. Das ist ein grosser Glücksfall für mich, denn ich darf mit Ihnen trainieren. Für jeden Flug wird eine Task ausgeschrieben, von welcher auch bei schwächerwerdenden Bedingungen nicht abgewichen wird.

Das Teamfliegen mit JS1 macht unglaublich viel Spass. Unter den grossen Wolken von Südafrika findet man das Steigen nicht immer auf Anhieb. Somit ist das Zentrieren mit mehreren Flugzeugen sehr effizient und das integrierte Steigen höher als wenn alleine geflogen wird.

Ich werde am Ende meines Afrika-Aufenthaltes einen der Flüge auswählen und einen spezifischen Flugbericht schreiben. Genauere Informationen befinden sich auf dem OLC.

 

 

Nicht fliegen in Südafrika

Falls gerade nicht geflogen werden kann gibt es Alternativprogramme zu genügen. Eines davon heisst Durban. Durban ist eine Stadt am Meer ca. 600 km von Potchefstroom entfernt. Wie durch ein Wunder überlebt mein VW Golf Fahrt nach Durban und bescherte mir ein vollständiges Ferien Wochenende. Die hohen Wellen des Inischen Ozeans haben weckten meine Lust, einmal auf ein Surfbrett zu stehen. Ein Surfbrett war schnell gefunden, aber das Stehen gab ich nach einer Stunde Kampf auf. Ich frage mich jetzt noch, wie das funktionieren soll.

Das zweite „must have seen“ sind die Tiere. In Südafrika gibt es neben dem berühmten Krügerpark, einem Nationalpark gleich gross wie die Schweiz, weitere kleinere Parks, wo man Zebras, Giraffen, Elefanten, Löwen und viele weitere Tiere in freier Wildbahn beobachten kann. Weil man mit dem Flugzeug nicht so tief über die Parks fliegen darf muss einmal mehr mein Golf hinhalten. Er ist nicht wirklich glücklich über die 4x4 Wege fahren zu müssen, macht aber einen guten Job und ermöglicht mir folgende Bilder zu machen.

 

Yves Gerster, 05.05.2014

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